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Toten- und Sterbebildchen
Kurzinformation
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Entstehungsgeschichte der Totenbildchen

Um den genauen Beginn der Totenbilder feststellen zu können, müßte man wissen, wann zum erstenmal ein Andachtsbild durch Beschriftung zu einem Andenken an einen Verstorbenen wurde. Die ältesten Totenbilder die ich aus der Literatur kenne, stammen aus Holland und sind normale Kupferstiche. Auf deren Rückseite wurde handschriftlich vermerkt, für den Toten oder die Tote zu beten. Solche Raritäten sind uns aus dem Jahr 1668, 1671, 1674, 1680 usw. bekannt.

schönes Totenbildchen

Die ersten gedruckten Totenzetteln entstanden um 1730 und kommen aus Amsterdam. Es werden verschiedene Motive mit vorgedrucktem Texte in denen nur mehr der Namen und die Lebensdaten handschriftlich eingetragen werden mußte, aufgelegt.

Der Gebrauch dieser Bilder hielt bis Anfang des 19. Jahrhundert an. Nach den Kriegs- und Revolutionsjahren verbreitet sich der katholische Brauch im ganzen Europa.

Um 1820 hat er Nordfrankreich und Norddeutschland erreicht, nach 1840 taucht es in Bayern, Österreich und Südtirol auf, wo es bis heute noch Verwendung findet. Ab 1860 entstand die Produktion eigener Totenbildchen mit schwarzen Trauerrändern. Auf der Rückseite sind verschieden Themen wie Herz-Jesu, Passion Christi, Maria und Josef mit dem Jesuskind, sämtliche Heilige etc. abgebildet.

Ab 1885 bis nach dem Ersten Weltkrieg ist das Angebot sehr groß an Darstellungen wie Grabkreuze, Grabsteine, Urnen, Säulen, Leidenswerkzeuge, Schiffe auf dem tobenden Meer, Anker , Herzen, Tauben und Engeln. Hingegen Motive aus dem alten Testament fehlen zur Gänze. Jesus als Kind scheint nur mit der Dornenkrone, Kreuz, Reichsapfel oder mit Schafen auf. Die heilige Familie wird Großteils bei der Arbeit gezeigt. Weiters gibt es den Guten Hirten, Jesus an der Seelentür klopfend oder Lilien pflückend. Etwas ausgefallen erscheinen die Trauerbilder für die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg, wo Christus, Maria oder ein Engel sie an der Hand hält.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhundert wurden auch gewöhnliche Heiligenbildchen und vereinzelt Bildchen mit Stanzspitzenrand von den Verlegern der kleinen Andachtsbilder eingesetzt. Nach 1920 wird die Auswahl etwas geringer. Es werden die neuen Motive wie Ecce Homo des Guido Reni und die Mater Dolorosa des Carlo Dolci bevorzugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die "betende Hände" nach Dürer und Fotos von Gebirgskreuze bevorzugt.

Die Herstellungstechnik im Wandel der Zeit

Technisch sind die Totenbildchen bis ca Mitte des 19. Jahrhundert als Kupferstiche ausgeführt. Ab 1840 bis 1890 löst der Stahlstich und die Lithographie die vorhergehenden Techniken ab. Ab ca. 1890 wird die Chromlithographie einge- führt und es werden farbenfrohe Bilder hergestellt. Jene Bilder die Anfangs nur den gehobenen Schichten vorbehalten war, findet immer mehr Beliebtheit bei den einfachen Leuten. Heute wird der Klischeedruck nach Motiven alter Kunst verwendet. Die Beliebtheit randloser Vierfarbendrucke nimmt ständig zu und hat die einfachen Totenbildchen fast verdrängt.

Die Totenbildchen sind kleine hochrechteckige Andachtsgafiken, die vor der Totenmesse in der Kirche gegen ein kleines Opfergeld ausgegeben werden. Der katholische Brauch verfolgt dabei zwei Ziele: das Seelenheil des Verstorbenen und sein irdisches Andenken. Auf der Vorderseite ist der Name, die Lebensdaten ,ein Fürbittgebet und die örtliche Druckerei angeführt. Der charakteristische schwarze Rand auf der Vorder- und Rückseite kann auch zur Gänze fehlen. Dieser kann bei Kindern und jungen Frauen durch eine himmelblaue oder silberne Einfassung ersetzt werden.

Nach 1870 treten vereinzelt ovale und rechteckige Fotografien vom Toten zum Text auf, die auf der Vorderseite eingeklebt sind. Diese Art wird immer häufiger verwendet und wird in der Mitte der 1. Republik durch das eingedruckte Klischeebild verdrängt. Je nach Region sind diese Gedenkbildchen auch als Sterbebilder, Totenzetteln oder Trauerbilder bekannt.

modernes Totenbildchen

Verlagshäuser der Totenbildchen

Ende des 19. Jahrhundert überschwemmten die großen katholischen Verlagshäuser Bouasse Lebel und L. Turgis aus Paris mit ihren eleganten Stahlstichen und sanft schattierten Lithographien den Markt. Speziell für den österreichischen Markt wurden die tlw. farbigen Trauerbildchen bestimmt.

Das weltberühmte Verlagshaus Benzinger & Co in Einsiedeln, Schweiz, stellte einen 1600 Muster umfassenden Bilderkatalog auf, der nach der Verwendung in Missions - Exerzitien - Kommunions - Primizandenken und Sterbebildchen gegliedert war und 7 Gruppen von Darstellungen unterscheidet: Engelbilder, Jesus- und Marienbilder, Namensheilige und Patronsheilige, Ordensheilige, religiöse Sinnbilder, Gebets- und Wallfahrtsbilder, Biblischdogmatische Bilder.

Lieferanten aus Deutschland waren der um Qualität bemühte Andachtsbilderverlag Franz Schemm in Nürnberg, Schulgen in Düsseldorf und Paris, G. J. Manz in Regensburg, GFCHKM (Gesellschaft für christliche Kunst) in München. Die lithographische Anstalt Joh. Kravogel in Innsbruck produzierte eher niedrige Bildqualität.

Hans Lichtenwöhrer


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