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Haushaltsgeräte sammeln - Kurzinformation

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Altes Prospekt zu einer der ersten Waschmaschinen

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Die Revolution in der Waschküche

Carl Miele machte eine bedeutsame Erfindung, die bis heute vielen Menschen die Arbeit erleichtert

von Markus Reiter

Nachdruck aus Reader's Digest Das Beste, Heft Februar 2000, mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Um 1890: Waschtag! Mein Gott, was für eine leidige Plackerei! Schon am Vorabend mussten die Hausfrauen Bettlaken, Arbeitskittel, Tischtücher, die dicken Jacken und die Schürzen in einen großen Bottich legen und diesen mit warmer Seifenlauge füllen. Darin wurde die Wäsche dann eingeweicht.

Am nächsten Tag, in aller Herrgottsfrühe, begann sogleich die eigentliche Arbeit. Die Frauen zogen sich eine lange, abwaschbare Schürze an und Gummistiefel oder ein Paar alte, offene Schuhe, aus denen das Wasser ablaufen konnte.

Zunächst wrangen sie die eingeweichte Wäsche aus, bis sie handtuchtrocken war. Währenddessen erhitzten sie auf einem großen Ofen Wasser. Sie warfen die Tücher und die Kleidung hinein. Das war die Vorwäsche. Einige Stunden später fischten die Frauen die Wäsche wieder heraus und wrangen sie erneut aus. Häufig mussten sie sie noch auf dem Waschbrett schrubben. Für die Weißwäsche erhitzten sie dann in einem Kessel neues Wasser, gaben Waschmittel dazu und warteten, bis es zu kochen anfing. Dabei rührten sie die Wäsche wieder und wieder herum.

Anschließend wurde die Buntwäsche in der gleichen Lauge gewaschen. Schließlich wurde das Ganze in heißem, dann in kaltem Wasser gespült. Zum Schluss wurde die Wäsche von Hand ausgewrungen, die großen Stücke mit der Wäschepresse ausgepresst. Wenn die Frauen schließlich die Wäsche zum Trocknen aufhängten, dämmerte schon der Abend. Sie waren erschöpft und müde.

Dies alles sah Carl Miele, ein Baustoff- und Eisenwarenhändler aus Westfalen. Er beobachtete seit langem, wie die Bauersfrauen am Waschtag schwere Arbeit verrichteten. Und er entschloss sich, den Frauen die Mühe zu erleichtern - mit einer der bedeutendsten Erfindungen des Jahrhunderts.

Der große, kräftige Mann hatte eigentlich Maurer gelernt. Er lebte in dem Dorf Herzebrock in Westfalen-Lippe, nahe der Kleinstadt Gütersloh. Schon der Vater war Maurer gewesen. Von ihm lernte er, dass ein Handwerker sorgfältig und genau arbeiten muss, um seine Kunden zufrieden zu stellen.

Bald aber merkte der junge Mann, dass ihn der Maurerberuf alleine nicht ausfüllte. Er suchte nach einer weiteren Beschäftigung. Die Zeiten waren gut, die Wirtschaft wuchs, und im Handel taten sich für fleißige junge Unternehmer neue Chancen auf. Also begann Miele, mit Werkzeugen, Zement, Rohren zu handeln. Das war so um 1890.

Das Geschäft lief glänzend, und der junge Miele hatte genug Geld, um sich weiter auf den Markt zu wagen. Handwerk und Handel betreibe ich schon, dachte er. Aber ich möchte auch etwas Handfestes herstellen.

Miele war auf einem Bauernhof groß geworden. Außerdem war er oft von Hof zu Hof gezogen, um mit den Bauern zu sprechen, seine Waren zu verkaufen. Dabei war ihm aufgefallen, dass es auf vielen Höfen bereits Milchzentrifugen gab. Beim Kauf achteten die Bauern aber mehr auf den billigen Preis als auf Qualität.

Die Firmengründer Carl Miele und Reinhard Zinkann Hier sah Miele eine Chance: Er wollte eine Milchzentrifuge herstellen, die zuverlässig mit hoher Leistung arbeitete, kaum repariert werden musste und eine lange Lebensdauer hatte. So hoffte er, die Bauern überzeugen zu können.

Miele setzte seine Idee in die Tat um und hatte rasch Erfolg. Bald darauf gründete er eine Zentrifugenfabrik und fand in Reinhard Zinkann, einem versierten Kaufmann und Händler, einen kompetenten Partner.

Carl Miele hatte auf den Bauernhöfen aber auch noch etwas anderes beobachtet: wie sehr die Bäuerinnen sich damit abrackerten, Butter herzustellen. Mit einem Schneebesen mussten sie den Rahm so lange schlagen, bis er zu Butter wurde. Das kostetet viel Kraft und Zeit.

"Es wäre doch gut, wenn man diese Arbeit vereinfachen könnte", überlegte er sich. Also setzte er sich hin und tüftelte. Er nahm einen Holzbottich und montierte ein Drehkreuz, das, von einem Schwungrad mit der Hand angetrieben, den Milchrahm schlug. So entstand eine mechanische Buttermaschine, die viel weniger Kraftaufwand benötigte.

Miele und Zinkann zogen anfangs als ihre eigenen Handelsvertreter von Bauernhof zu Bauernhof. Überall priesen sie ihre Buttermaschinen an. Sie sprachen mit den Bäuerinnen und versuchten, sie von den Vorteilen der Erfindung zu überzeugen.

Dabei erlebte Carl Miele immer wieder folgendes: Er kam zu einem Bauernhof. Es war Waschtag. Der Geruch der heißen Lauge stieg ihm in die Nase. Er hörte die Bäuerin im Waschraum ächzen.

Miele sah, wie sich die Frauen plagten, als sie die Kittel, Tücher und Hemden auf dem Waschbrett schrubbten. Im Grunde, überlegte er, müsste doch Wäschewaschen nach dem gleichen Prinzip funktionieren wie die Butterherstellung.

Er bastelte also seine Buttermaschine um. Statt eines Sahneschlägers montierte er einen dreiarmigen Holzschläger. Der schleuderte die heiße Wäsche im Holzbottich in der Seifenlauge umher. Ähnlich wie die Butterherstellung bedeutete dies für die Frauen erheblich weniger Kraftaufwand. Carl Miele hatte die Waschmaschine erfunden!

Gut, er war nicht der Erste, der auf die Idee gekommen war. Schon 1767 hatte der Theologe und Techniker Jacob Christian Schäffern eine Rührflügelmaschine entworfen. Dabei rührten mehrere Klöppel, die durch den Deckel eines Bottichs in sein Inneres ragten, die Wäsche umher. Aber Schäfferns Idee wurde rasch wieder vergessen. Auch andere Erfinder schafften es nicht, sich mit ihren Ideen durchsetzen.

Miele hingegen erkannte: Die Zeit der Waschmaschine war jetzt gekommen. Man schrieb das Jahr 1900. Der junge Unternehmer und sein Kompagnon zogen wieder von Bauernhof zu Bauernhof. Überall priesen sie den Bäuerinnen die Vorteile ihrer Waschmaschine an. Doch die waren skeptisch. "Warum sollen wir so eine Maschine kaufen?", fragten sie. "Weil es Ihre Arbeit leichter macht", antwortete Miele.

Die erste Miele-Fabrik - damals wie heute in Gütersloh!

Er lobte die einfache Handhabung, die gute Verarbeitung. Zunächst überzeugte er nur wenige Bauern und Bäuerinnen.

Die merkten jedoch schnell, welche enorme Erleichterung die Waschmaschine brachte, erzählten es weiter. Bald verkauften sich die Waschmaschinen nicht nur im Umland von Gütersloh, sondern bis zur holländischen Grenze.

In der beliebten Zeitschrift Daheim, die damals im ganzen Deutschen Reich verbreitet war, erschien 1901 der begeisterte Brief einer Hausfrau, die Mieles Waschmaschine in den höchsten Tönen lobte. Noch heute gibt es in Gütersloh Gerüchte, dass dieser Brief lanciert worden sei. Beweise hat man dafür allerdings nie gefunden.

Bald verkauften Miele und Zinkann nicht mehr nur Einzelstücke, sondern gleich zehn Maschinen auf einmal an Händler. Andere Firmen bauten inzwischen ähnliche Waschmaschinen. Doch Miele und seine Mitarbeiter tüftelten weiter.

Der elektrische Strom setzte sich zu dieser Zeit gerade durch. Der Fabrikant und Unternehmer staffierte seine Maschine also mit einem Elektromotor aus. Nun musste niemand mehr eine Kurbel drehen. Stattdessen funktionierte die Maschine von ganz alleine. Allerdings musste man noch kochendes Seifenwasser eingießen - von den Waschvollautomaten, wie wir sie heute kennen, war man noch über 60 Jahre entfernt.

Aber der erste Schritt war getan: Die Arbeit wurde leichter. "Man hat da nicht immer reinlangen müssen, zuerst in das heiße, dann in das kalte Wasser", berichtete eine Hausfrau von ihren Erfahrungen.

Da hört man doch ganz leicht Stolz mitklingen, wenn Rudolf Miele, Enkel des Gründers, sagt: "Oft wird es übersehen. Aber die Erfindung der Waschmaschine ist eine der größten technischen Revolutionen unseres Jahrhunderts!"

 


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