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Briefbeschwerer - Eine Einführung in das Sammelgebiet Briefbeschwerer

Auf den folgenden Seiten finden Briefbeschwerer-Sammler Einführung in das Thema Briefbeschwerer sammeln.

Unterwasserlandschaft in Glas

Hübscher Briefbeschwerer  aus Muranoglas

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Briefbeschwerer mit Millefioridekor Wer kennt sie nicht, die bunten Halbkugeln aus Glas, die mit ihrem geheimnisvollen Inneren so manchen Flohmarkttisch bereichern? Man findet sie inzwischen in ganz Europa, in den USA und sogar in Asien; von Murmel- bis Kindskopfgröße, mit bunten Blumen, Blütenteppichen, Tieren, mit Wirbeln bunter Bonbons, sogar mit eingebetteten Figuren oder Fotos. Wer sich mit ihnen näher beschäftigt fragt sich, was ist ihr Zweck, was stellen sie dar, wo kommen sie her und wie ist ihre Geschichte?

Eigentlich ist der Name "Briefbeschwerer", oder in Sammlerkreisen bevorzugt "Paperweight", irreführend, denn als solche wurden sie in den seltensten Fällen verwendet. Auch gibt es keinen Zusammenhang mit den Schuster- oder Wahrsagekugeln bzw. den hübschen "Traumkugeln" in deutschen Gärten, denen man geheimnisvolle Wirkungen nachsagt.

Es sind schlicht und einfach hübsche Dekorationsgegenstände die, die Kunstfertigkeit italienischer Glasbläser repräsentierend, erstmals um 1820 auf dem Markt auftauchten. Die dabei verwendeten Techniken der Millefiori (tausend Blumen) sind allerdings uralt und wurden bereits durch Grabfunde im alten Ägypten und später auch im Römischen Imperium nachgewiesen. Diese Kunst, aus Bündeln einfacher bunter Glasstäbe äußerst komplex gemusterte, dünne Glasstäbe (Canes) zu fertigen, die dann in Schmuck- oder Gebrauchsgegenstände eingearbeitet werden, hat sich wohl über Jahrhunderte im späteren Italien bis zur Gegenwart erhalten. Briefbeschwerer mit sehr schöner Blume

Ab Mitte des 15. Jahrhundert werden von Venedig, dem mächtigsten Handelszentrum der Zeit, zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Vasen, Gläser, Handkühler oder Herrschaftsinsignien mit Millefiori Canes in die ganze damalige Welt exportiert.

Unterwasserlandschaft in Glas So ist es nicht verwunderlich, dass Venedig auch als Wiege der Paperweights gilt. Offensichtlich entsprachen die Millefiorikugeln des Pietro Bigaglia oder des Giovanni Franchini genau dem Geschmack des Biedermeier, denn nur wenige Jahre später, bereits um 1840 tauchten Briefbeschwerer dieser Art erstmals auch aus böhmischer und schlesischer Hüttenfertigung auf. Den Durchbruch brachte die Wiener Gewerbeausstellung von 1845, auf der Bigaglia seine Produkte erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentierte.

Bereits im selben Jahr erscheinen die ersten Paperweights aus französischen Glashütten, die als erste auch vollständige Serien als Katalogware in hervorragender Qualität erzeugen.

Ab 1852 erscheinen Paperweights dann auch in England (Bacchus) und den USA (New England Glass und Boston & Sandwich Glass). Die französischen Glasmanufakturen von St. Louis, Clichy und Baccarat, sind auch maßgeblich an der Renaissance der Briefbeschwerer nach 1950 beteiligt und produzieren heute wieder Briefbeschwerer höchster Qualität, die in Sammlerkreisen äußerst geschätzt sind.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Linie der Paperweights mit eingebetteten Figuren oder Bildtafeln, sog. Incrustrationen oder Cameos. Diese entstanden maßgeblich bereits im Frankreich des 18. Jahrhundert und repräsentieren bekannte Persönlichkeiten oder Ereignisse der damaligen Zeit.

Mit dem Ende des Biedermeier wandelte sich der Geschmack der Käufer und die klassischen Paperweights verschwanden nach ca. 1890 weitgehend vom Markt. Lediglich in den Glashütten des Schwarzwaldes und der Vogesen, sowie in Thüringen, Schlesien und Böhmen wurde die Tradition der Gläsernen Briefbeschwerer bis zum 2ten Weltkrieg als Volkskunst weitergeführt. Mit dem Krieg und den Umbrüchen in dessen Folge endete die Paperweight Produktion in Europa fast vollständig.

Seit der in Frankreich um 1950 entstandenen Wiederbelebung der Briefbeschwerer aus Glas und der etwa 1970 beginnenden Sammlertätigkeit in Europa hat sich das Angebot von Paperweights zeitgenössischer Produktion aus der ganzen Welt fast explosionsartig ausgedehnt. Außer von den klassischen Herstellerländern Frankreich, Italien, England und USA finden sich gute (und leider auch weniger gute) Angebote aus Deutschland, Österreich, Skandinavien, Polen (vormals Schlesien), Tschechien (vormals Böhmen), Ungarn, Rumänien, China, Japan und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Gläserner Früchtekorb - einfach zum anbeißen!

Zusammenfassend kann man die Zeitgeschichte der Briefbeschwerer unterteilen in die "klassische" von 1820 bis 1890, die "nachklassische" oder auch die "späte" von ca. 1900 bis 1945 und die "moderne" oder "zeitgenössische" ab 1950. Das Attribut "antike" können eigentlich nur die Vorläufer der Paperweights aus dem 18.JH. oder früher für sich beanspruchen.

Spinnen unter Glas... Der interessierte Anfänger wie auch der engagierten Sammler findet die Briefbeschwerer seiner Wahl in Fachgeschäften, Galerien und Auktionen, aber auch auf Antik- und Flohmärkten. Bei letzteren ist allerdings bei teuren Angeboten sogenannter "antiker Ware" Vorsicht und Skepsis geboten. Gerade aus den ehemaligen "Ostblock Staaten" kommen neuerdings Paperweights, die täuschend ähnlich, den Briefbeschwerern der klassische und nachklassischen Perioden nachempfunden sind und von unseriösen Händlern als solche angeboten werden.

Dies soll zum Abschluss allerdings nur zur Warnung und nicht zur Abschreckung gesagt sein!

Literaturhinweise:
Vor 1980 suchte man vergeblich deutschsprachige Literatur zum Thema Briefbeschwerer. Der Grund dafür ist, dass es in Deutschland wie auch im übrigen Europa keinen Sammlermarkt gab. Ganz anders war die Situation in den USA wo schon in der ersten Hälfte des 20.JH. eine namhafte Sammlergemeinde entstand, die Literatur über ihre Sammlungen publizierte.

Daraus entstanden später Fachverlage wie die bekannte Paperweight Press Santa Cruz von Lawrence H. Selman. Publikationen wie Paul Hollister's "Encyclopedia of Glass Paperweights" gelten heute als Standardwerke, sind aber leider nur noch und mit viel Glück antiquarisch zu erhalten.

Die ersten deutschsprachigen wie auch französischen Veröffentlichungen von Anfang 1980 sind generell Übersetzungen aus dem Englischen. Erst mit dem Briefbeschwerer Katalog der Glasgalerie Michael Kovacec von 1987, den "Paperweights" von Flemming/Pomerencke, 1993 bei Battenberg erschienen, dem Taschenbuch "Paperweights" von Walter Spiegl, 1996 beim Wilhelm Heyne Verlag und dem hervorragenden Paperweights Buch von Peter v. Brackel, 1997 im Morsak Verlag erschienen, stehen dem deutschen Sammler eigenständige Standardwerke zum Thema gläserne Briefbeschwerer, auch mit regionalem Bezug zu den klassischen deutschen Glashütten, zur Verfügung.

Wer allerdings einen globalen Überblick über die Welt der Paperweights sucht, dem sei das englischsprachige Buch "Paperweights" von Sibylle Jargstorf empfohlen, das seit 1991 beim amerikanischen Verlag "Schiffer Publishing Ltd." erscheint.

Bernd Huber (BAH)

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