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Bierdeckel sammeln - Ein Hobby, das wenig Geld, aber viel Zeit kostet  - Kurzinformation und Einführung ins Sammelgebiet Bierdeckel

Wann der erste Bierdeckel oder Bierfilz, wie man auch sagt, hergestellt worden ist, wird sich vermutlich ganz genau nicht mehr ermitteln lassen.
Sicherlich sind aber diese bunt bedruckten Pappscheiben, auf die man in der Gastwirtschaft sein Bier stellt, zunächst ein billigerer Ersatz gewesen für die früher für diesen Zweck üblichen runden Scheiben aus echtem Filz, der die Tropfen des über den Rand schäumenden Bieres aufsaugte, damit die Tischplatte trocken blieb.

Aecht Schlenkerla Rauchbier

Bierdeckel von der Brauerei Heller aus Bamberg

Bierdeckel bei eBay.de

Hinweise von google
Aecht Schlenkerla Rauchbier

Ältere bedruckte Bierglasuntersetzer aus saugfähiger Pappe als vom Ende des letzten Jahrhunderts befinden sich jedoch in keiner der zahlreichen heutigen Kollektionen dieser Untersätze. Vermutlich sind bedruckte Bierdeckel deshalb nicht sehr viel älter als die Patentschrift Nr. 68 499 vom 25. 10. 1892, in der mit folgender Beschreibung ein deutsches Reichspatent für sie erteilt wurde: »Diese Platten werden zu runden oder kantigen Deckeln ausgestanzt oder ausgeschnitten, welche letztere sich wegen ihrer Saugfähigkeit als Bierseideluntersetzer usw. eignen.« Und dann heißt es weiter: »Die zu Deckeln, Bieruntersetzern usw. zerschnittenen Platten lassen sich mit Verzierungen, Firmen- oder anderweitigen Aufschriften bedrucken.«

Nun, derartige frühe oder überhaupt ältere Bierdeckel zu erwerben, ist für den einzelnen Sammler, der sich diesem Hobby verschrieben hat, auf Anhieb nicht allzu einfach. Und selbst das Zusammentragen von modernen Bierdeckeln, indem man möglichst viel herumreist und in jeder Kneipe einkehrt, ein Bier trinkt und sich anschließend vom Wirt oder Kellner den benutzten Untersatz schenken lässt, ist zweifellos sehr aufwändig.

Dennoch haben fast alle Sammler damit angefangen, in Lokalen, die sie besucht haben, nach Bierdeckeln zu fragen. Diese werden selbstverständlich überall bereitwillig zur Verfügung gestellt, auch seitens der Brauereien, die man darum bittet, denn sie sind ja hergestellt als Werbeträger, und ihre Verbreitung oder sogar Aufbewahrung ist ja ganz im Sinne der gewünschten Reklame. Und diese Tatsache, dass man Bierdeckel im Prinzip gratis bekommt, mag auch der Grund sein, weshalb es unter Sammlern eigentlich verpönt ist, einzelne Exemplare, auch die seltensten, mit Mark und Pfennig zu bewerten, zu kaufen oder zu verkaufen. Wo das geschieht, sind es Ausnahmen.

Bierdeckel Astra Urtyp Pils

Alle ernsthaften Bierdeckelsammler sind nämlich in Vereinen organisiert und veranstalten regelmäßige Tauschtreffen, die zum Teil von Brauereien finanziell gefördert werden. Und zu diesen Tauschveranstaltungen reisen die Sammler oft von weit her an, mit großen Koffern, in denen sie Dubletten mitführen, die für das, was ihnen noch fehlt, eingetauscht werden.

So gesehen ist das Bierdeckelsammeln eigentlich eine sehr gesellige Sache, und eine gut besuchte Tauschveranstaltung wird auch jedem, der sich auf besondere Teilgebiete spezialisiert hat, immer reichliche Neuerwerbungen einbringen. Und soweit es eine Bewertung von Bierfilzen gibt, zeigt es sich hier: seltene und besonders begehrte Stücke muss man gegen mehrere, in besonderen Fällen bis zu vielen hundert anderen »durchschnittlichen« Stücken eintauschen.

Cains Brewery, Liverpool

Die meisten sind rund oder achteckig und haben zwischen zehn und zwölf Zentimeter Durchmesser. Es gibt aber auch ganz kleine von nur etwa sechs Zentimetern und große bis zu 32 Zentimetern Durchmesser. Aus England stammen solche Riesen-Bierdeckel in Langspielplattengröße, auf denen ein ganzes Dutzend Gläser Platz hat.

In fast allen Ländern der Erde sind Bieruntersätze hergestellt worden, und je kleiner und abgelegener und je unbedeutender eine Brauerei ist, um so seltener sind deren Bierdeckel. Und es gibt Sammler, die gerade danach eifern, derartige exotische Stücke zusammenzubringen, etwa von einzelnen Antilleninseln, aus Island oder Afrika. Andere Sammler wiederum legen besonderen Wert auf Bierfilze von nicht mehr existierenden Brauereien, die natürlich selten sind. Und fast unbegrenzt sind Möglichkeiten, sich auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren:

klassifiziert nach Motiven, Städten, Ländern oder nach ganz bestimmten, ausgewählten Brauereien.

Wer also Spaß daran hat, sich außer durch gelegentliches Mitnehmen vom Kneipenbesuch mit dem Sammeln von Bierfilzen zu befassen, tut am besten daran, die Tauschtreffen zu besuchen, die regelmäßig in vielen großen und kleineren Städten veranstaltet werden. Und er sollte Kontakt mit einer der Sammlervereinigungen aufnehmen.

Übrigens, engagierte Bierdeckel-Fans haben sogar einen eigenen Gruß. »Papp, papp, hurra!« sagen sie, wenn sie sich auf einem Tauschtreffen begegnen.

Quelle
Hans Jürgen Hansen: "Sammeln macht Spaß" Deutscher Bücherbund 1976
nur noch antiquarisch erhältlich

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