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Adventskalender sammeln - Kurzinformation - Das Phänomen Adventskalender - Teil 2

Auch dieser Kalender ist vom Sellmer Verlag!

Alter Adventskalender für Sammler

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Der Adventskalender ist ein Behelf zur vorweihnachtlichen Zeitteilung, in seiner Funktion etwa den "Stundenfressern" vor dem Schulabschluss und den Tageszählern der Soldaten vor dem Abmustern vergleichbar, darüber hinaus aber sicherlich noch ein Verwandter von Gebetsnachweisen wie dem Klausenkerbholz. Daher weist er meist 24, manchmal 25 Fensterchen Bastelteile etc. für die einzelnen Tage des Advents auf, und was den Inhalt anlangt, so spielen religiöse, pädagogische und ethische Überlegungen eine Rolle.

Aus wirtschaftlichen Gründen ist es kaum je einem Hersteller möglich, dem liturgischen Ablauf des Advents eines bestimmten Jahres zu folgen bzw. die Adventssonntage zu berücksichtigen. Außer in der Familie finden Adventskalender in Kindergärten, Grundschulen und Kindergruppen Verwendung, mit zunehmendem Alter der Kinder wird diese geringer.

Das früheste Entstehungsjahr für den in größeren Auflagen gedruckten und vertriebenen Adventskalender kann nur mit 1903 angegeben werden.

Kalender vom Sellmer Verlag
Sicher sind von Hand hergestellte und im Familienkreis verbreitete Vorformen im späten 19. Jahrhundert vorgekommen.

Die stark christlich gebundene Zeitmessung, eine andachts- und gebetsmäßige Hinführung auf die Geburt des Erlösers, muss ihre Wurzeln in barocker Volksfrömmigkeit haben. Gerhard Lang (1881-1974), Inhaber einer Lithographischen Kunstanstalt in München, erzählte von dem Anstoß zur Adventskalender-Produktion durch seine Mutter, die ihm als Vierjährigem 24 Gebäckstücke an einen Karton nähte, um so das Warten auf das Christkind zu versüßen.

Lang (Lithographische Anstalt Reichhold & Lang, gegr. 1894) druckte in seinem Schwabinger Betrieb einen aus zwei Blättern bestehenden Adventskalender "Im Lande des Christkinds", auf dem einen Blatt 24 Gedichtchen in Kästchen, auf dem anderen die dazu passenden Bildchen, die auszuschneiden und aufzukleben waren.

...vom Sellmer Verlag - was sonst! Langs erste Adventskalender hießen auch Nikolauskalender, da sie erst mit dem 6. Dezember anfingen und vermutlich als passendes Nikolausgeschenk betrachtet wurden. Wie reichhaltig das Angebot bereits in der Frühzeit war, läßt sich aus einem Lang-Katalog der zwanziger Jahre ersehen:

Neben der goldgrundierten Jubiläumsausgabe des ersten Adventskalenders gibt es die "Christfahrt" zum Ausschneiden und Aufkleben, "Das Christkind im Walde" mit Figuren zum Ziehen, die "Tiroler Ausschneidekrippe", den aufstellbaren und mit Engeln zu schmückenden "Adventsbaum", einen beweglichen "Engelreigen", es gibt Abreißkalender, ein Adventshäuschen, eine von innen beleuchtbare Laterne, eine "Weihnachtskapelle" nach Guckkastenart und sogar "Christkindleins Haus zum Füllen mit Schokolade".

Obwohl der gedruckte Adventskalender kaum 80 Jahre alt ist, hat er bereits in weiten Teilen der Welt einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Es handelt sich somit um einen der vielen Beiträge Deutschlands zum Weihnachtsbrauch und zur Weihnachtssymbolik ganzer Kontinente (wie etwa auch Christbaum und Adventskranz).

Außer Reichhold & Lang zählt zu den ältesten uns bekannten Verlagen Ernst Kaufmann in Lahr am Schwarzwald, der Adventskalender bereits in den Jahren vor 1914 erzeugte. Die Firma ist neben der St. Johannis-Druckerei im selben Ort, die 1926 mit diesem Produkt begann, die einzige, die heute noch Adventskalender erzeugt (Anmerkung des SammlerNet: stimmt nicht so ganz - siehe den Richard Sellmer Verlag, der heute seine Kalender sogar über Internet anbietet).

Auch Meissner & Buch, Leipzig, stellten zu dieser Zeit Adventskalender her. Ab 1928 produzierte der Bekannte Verlag J.F. Schreiber in Esslingen und seit den zwanziger Jahren auch der dänische Verlag ICO (I. Christian Ohlsens Kunstforlag, Hellerup).

In den dreißiger Jahren begannen Petzold & Aulhorn in Dresden (jetzt Hamburg) mit ihren schokoladegefüllten Adventskalendern. In den späten vierziger Jahren nahmen Richard Sellmer (Stuttgart-Rohr) und Ars Sacra Josef Müller (München) die Produktion auf. in den fünfziger Jahren folgten die Verlage Adolf Korsch (München), A.F. Krüger (Hamburg), Ottokar Moravec (Wien) und Josef Lang = JLM (München).

Seit 20 Jahren arbeiten der Favorit-Verlag (Rastatt) und Wilhelm Janu (Wien) in dieser Sparte, Hauptproduzenten sind heute die dänischen Verlage GEMO (Georg Moldow, Ishoj) und ICO.

ein besonders schönes Stück vom Sellmer Verlag
Die genannten Verlage sind zum Teil allgemeine Kalender- bzw. Postkartenhersteller, zum Teil auch Kinderbuchverlage. Daher findet man unter den Graphikern, soweit überhaupt eruierbar, auch bekannte Kinderbuchillustratoren: z.B. Gertrud Caspari (1873-1945), Elsa Eisgruber (1887-1969), Ida Bohatta (Jg. 1900), Ruthild Busch-Schumann (Jg. 1900), Reinhard Herrmann (Jg. 1923), Eva Johanna Rubin (Jg. 1925), Hilde Hayduck-Huth (Jg. 1929), Rolf Rettich (Jg. 1929), Liselotte Schwarz (Jg. 1930), Annegert Fuchshuber (Jg. 1940) u.a.

Fachliteratur Quelle:
Christa Pieske:
Das ABC des Luxuspapiers
Museum für Deutsche Volkskunde
Berlin 1983

  

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